Weißhandgibbons aus dem Regenwald

Kleinste Menschenaffen – am stärksten bedroht

Weißhandgibbons sind ein eindrückliches Beispiel für die Bedeutung der weltweiten Anstrengungen zum Erhalt der biologischen Vielfalt – ein zentrales Thema hier in der botanika.

Unsere Affen Lucy, Knuppy, Wody und Jupp sind Botschafter für den Schutz ihrer Art in den Regenwäldern Südostasiens. Besuchen Sie die Tiere bei uns und lassen sich entführen in die grüne Welt ihres ursprünglichen Lebensraums. Bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie wertvoll es ist, den Platz für alle Arten – Pflanzen wie Tiere – in freier Natur zu erhalten.

Schwungvoll im Gibbonstil

Weißhandgibbons leben in den Regenwäldern Südostasiens. Der Lar – so heißt die Art in Fachsprache – wird etwa 45 bis 65 Zentimeter groß und wiegt ausgewachsen fünf bis sieben Kilogramm. Seinen Namen bekam das Tier durch sein weißes Fell an Hand- und Fußrücken.

Hoch über dem Boden in den Kronen der Bäume ist das Zuhause dieser tierischen Akrobaten. Mit ihren langen Armen hangeln sich zum Beispiel die Weißhandgibbons von Ast zu Ast. Derartig schwungvoll fliegen sie schon einmal mehr als zehn Meter weit. Auch ihre Richtung können sie behände ändern. So kommen sie viel rascher und geschickter voran als andere Tiere der südostasiatischen Regenwälder etwa in Myanmar oder der chinesischen Yunnan-Region.

Am Boden sind sie in freier Natur kaum anzutreffen. Doch wenn sie einmal aufrecht gehen, sind sie auch dabei geschickt: Sie halten ihre Arme über dem Kopf und balancieren so ihr Gleichgewicht aus.

Bett in luftiger Höhe

Sogar zum Schlafen bleiben die kleinen Affen in oberer Etage: Sie kuscheln sich in Astgabeln ihrer Ruhebäume – mittags zum Beispiel, wenn die Hitze am größten ist. Diese Zeit verbringen die Tiere gern in absoluter Ruhe. Nach dem Nickerchen geht es raus zu den Fressbäumen. Wenn es dann dunkel wird, kehren die Kleinen Menschenaffen wieder heim, um die Nacht im Schlafbaum zu verbringen. Bei uns ziehen sich die Gibbons dafür in ihre Ruhehöhle zurück. Gute Nacht!

Menü nach Gibbonart

Was ihren Speiseplan betrifft, sind „Knuppy“ & Co. durchaus wählerisch: Sie mögen vor allem Früchte, am besten möglichst süß. Übrigens tragen Gibbons so zur Ausbreitung der Regenwaldpflanzen bei. Die Tiere fressen die Früchte, die Samen aber bleiben unverdaut und werden ausgeschieden. Per Gibbon-Taxi landen sie so an einem anderen Ort.

Auch Blätter, Knospen und Blüten stehen auf dem Menüprogramm – genau wie es auch „Knuppys“ und „Wodys“ Schwestern und Brüder in freier Wildbahn schätzen. Reine Vegetarier sind die Luftakrobaten allerdings nicht: Sie naschen auch Vogeleier und fressen Insekten.

Gibbonbestände bedroht

Hier in der botanika geht es „Jupp“, dem jüngsten aus unserer Gibbonfamilie, gut. Der Kleine hat satt zu essen und niemand trachtet nach seinem Leben oder macht ihm seinen Lebensraum streitig. In der freien Wildbahn sieht das anders aus. Natürliche Feinde der Weißhandgibbons sind Leoparden, Schlangen oder auch Greifvögel. Aber vor allem, weil wir Menschen in die Natur eingreifen, müssen Weißhandgibbons inzwischen ums Überleben kämpfen.

Gefahr Mensch

Zum einen werden die tropischen Wälder zur Holzgewinnung gerodet. Auch für die Landwirtschaft wird abgeholzt, etwa für ausgedehnte Plantagen von Ölpalmen. So schwindet nach und nach der Lebensraum der Gibbons. Eine weitere Bedrohung ist die illegale Jagd. Die Tiere werden gegessen und auch als Haustiere gehalten.

Laut Roter Liste und Washingtoner Artenschutzübereinkommen werden Weißhandgibbons als stark gefährdet eingestuft. Tatsächlich kommen die Tiere praktisch nur noch in ausgewiesenen Schutzgebieten vor. Naturschutzorganisationen setzen sich für die Verstärkung der Schutzbemühungen ein, damit auch künftig Weißhandgibbons in freier Natur leben können.