Was da kreucht und fleucht

Schmetterlinge: Die Diven unter den Zarten

Ganz generell sind sie wie andere auch: Schmetterlinge sind aufgebaut wie alle Insekten. Ihr Körper ist in Segmente gegliedert, die Tiere haben ein Außenskelett aus Chitin, sechs Beine und verschiedene Mundwerkzeuge. Das Auffällige – was uns so bezaubert –  sind ihre farben- und musterreichen, zarten Flügel.

Diese Fülle dient schlicht dem Überleben: Schmetterlinge täuschen, tarnen und warnen mit ihrer Pracht. Vorgegebene Augen auf der Oberseite der Flügel etwa bringen Fressfeinde dazu, an falscher Stelle zuzubeißen. Manchmal sind es auch die Unterseiten, die schützen: Bei einigen Faltern haben sie Zeichnungen wie Blattadern oder Baumrinde. Schließt das Tier die Flügel, verschwindet es nahezu vor pflanzlichem Hintergrund.

Ein Besuch in unserer jährlichen Sonderausstellung „Im Reich der tropischen Schmetterlinge” zeigt aber vor allem die Vielfalt und Ästhetik dieser tierischen Anpassungsstrategien. Hier schwebt und schillert ein buntes Durcheinander tropischer Falter, die sich an Größe und Schönheit zu übertreffen scheinen.

Der Falter und das Grün

Zahlreiche Schmetterlinge leben in enger Abhängigkeit mit bestimmten Pflanzen: Sie naschen nur vom Nektar bestimmter Blüten – und die Pflanze wiederum ist bei der Bestäubung auf genau dieses Tier angewiesen. Gerade wegen solcher wechselseitigen Bindungen sind Schmetterlinge gute Anzeiger für ganz bestimmte Lebensräume in der Natur. Als Bioindikatoren der Natur helfen sie zum Beispiel in Naturschutz- und Landschaftsplanung.

 

Gespenstschrecke: Täuschend echt

Ist es ein Blatt im Wind? Nein, tatsächlich ist es ein Tier. Mehr als alle anderen Insekten erinnert das Aussehen von Gespenstschrecken täuschend echt an die Farben und Formen von Pflanzenteilen. Meist verharren diese Tiere tagsüber ruhig auf ihrem Platz. Vorwiegend nachts wandeln sie dann auf ihren Nahrungspflanzen umher. Dabei bewegen sich einige Gespenstschrecken sogar angepasst an ihre grüne Umgebung. Einige zittern zum Beispiel leicht wie Blätter im Wind – so ist es auch bei der Australischen Gespenstschrecke in der botanika.

Meisterhafte Strategien zur Verteidigung

Dieses Nachahmen ist eine gelungene Art, sich zu verteidigen, ohne dabei mit Waffen zu rasseln. Wer gar nicht erst entdeckt wird, kann auch nicht gefressen werden. Das kann sogar soweit gehen, dass die Tiere ihre Farbe den Lichtverhältnissen ihrer Umwelt angleichen. Einige Gespenstschrecken schütten tagsüber bestimmte Hormone aus, sodass sich die Farbzellen in ihrer Haut zusammenziehen oder weiten. So sind sie tags heller als nachts. Mit dem gleichen Mechanismus zeigen manche Arten abschreckende Warnfarben. Andere breiten ihre Flügel aus, damit sie größer scheinen und Angreifer das Weite suchen.

Wenn es dann doch zum Übergriff kommt, steht der Australischen Gespenstschrecke noch ein zusätzlicher Weg offen: Sie kann Beinteile abwerfen. Dafür kommt dem Tier die Häutung zugute. Ihre Außenhaut ist starr, sie dehnt sich nicht mit, wenn das Tier wächst, und wird daher von Zeit zu Zeit abgestoßen und ersetzt. Dabei werden dann eventuell verlorene Glieder zumindest teilweise ersetzt.

 

Bienen: Fleißig, Fleißig

Sie sind der sprichwörtliche Inbegriff der Emsigkeit – und quasi das kleinste Nutztier im Haus: Ohne Wild- und Honigbienen gäbe es weniger Blumen auf der Wiese, kaum Obst oder Gemüse. Denn sie sind wichtige Leistungsträger bei der Bestäubung von Pflanzen. Vor allem die Wildbienen tragen ordentlich zur pflanzlichen Vermehrung bei. Honigbienen allein schaffen das nötige Pensum für reiche Ernten nicht, konnten Forscher zeigen: Ihre wildlebenden Verwandten erzielen bei gleich vielen Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz.

Effizienter Superstaat

Dabei arbeitet keine Biene für sich allein. Vielmehr sind diese Insekten ein Beispiel für eine gelungene Staatenorganisation. Jedes Tier gehört zu einem bestimmten Aufgabentrupp: Manche Bienen schwärmen als Späher aus und suchen Wiesen mit viel Nektarpflanzen. Per Schwänzeltanz verraten sie, wo genau diese Stellen sind. Andere Bienen sammeln den Nektar ein – und ganz nebenbei laden sie sich auch Pollen auf den Pelz. An anderen Blüten entlang der „Einholtour“ bleibt dann wieder etwas davon zurück. Dann gibt es noch die Lageristen, die für die Anlage von Nektarvorräten zuständig sind, Baumeister-Bienen, die das Wabenzuhause erbauen und sanieren, sowie Ammen, die den Nachwuchs betreuen. Dabei verändert das einzelne Tier im Laufe seine Lebens den Beruf: Es ist immer wieder eine neue der genannten Aufgaben dran. Kaum eine Firma ist derart gelungen organisiert – und das bei durchaus mehr als 60.000 Mitarbeitern! Schauen Sie sich das surrende Treiben rund um die Bestäubung und Honigproduktion einmal bei unserem Bienenvolk im Entdeckerzentrum an.